Literatur

 

Projekt "Fortsetzung folgt"

Ein Roman des GRg19

 

4. Kapitel (1D): Alice bei den Galliern

Wie jeden Samstag wachte Alice erst gegen neun Uhr auf und freute sich schon auf das gemeinsame Frühstück, das seit Einführung der 5-Tage-Woche in der Schule von der Familie Miller so richtig zelebriert wurde. Faul wälzte sie sich noch ein wenig im Bett herum, sprang aber dann, als ihr einfiel, dass sie mit ihren Freundinnen zum Shoppen verabredet war, sofort aus dem Bett und huschte wie ein Wiesel ins Bad um gleich nach dem Frühstück zu ihrer Verabredung zu kommen. Wenn sie nämlich an das übliche Gedränge im Bad dachte, das automatisch bei einer Familie von sechs Leuten in der Früh herrschte, dann verging ihr gleich die Lust am Einkaufen. Ausnahmsweise einmal nicht im Pyjama ging Alice fix und fertig hinunter zum Frühstück, wo alle schon versammelt waren und gespannt Rebecca von ihrem Abenteuer in Phantasien erzählen hörten. Da Alice ein wenig traurig darüber war, dass sich bis jetzt noch keine Figur für sie interessiert hatte, schlang sie ihr Frühstück rasch hinunter um noch früher in die Stadt zu kommen.

Gerade als das Mädchen mit Sack und Pack das Haus verlassen wollte, rief die Mutter ihm nach: „Könntest du mir bitte, bevor du gehst, noch Kräuter aus dem Garten bringen?! Es gibt nämlich heute Abend Pizza. Sei daher zum Abendessen pünktlich zurück!“ Widerwillig machte Alice kehrt und eilte in den Garten. Gerade als sie Oregano pflücken wollte, hörte sie plötzlich ein lautes Plätschern, das aus der Regentonne links vom Beet kam. Neugierig beugte sie sich über den Rand des Behälters und wollte ihren Augen nicht trauen: Aus der Tonne blickte ihr Miraculix entgegen, der sie keck fragte: „Bist du auch auf Kräutersuche?“ Völlig fassungslos und überrascht brachte Alice nur hervor: „Bist du echt oder bilde ich mir alles vielleicht bloß ein?“ Der gallische Druide sagte ein wenig irritiert: „Natürlich bin ich echt! Hab keine Angst und steig zu mir in die Tonne!“ Da sie ein wenig zögerte, packte sie der ehrwürdige alte Mann einfach an der Hand und zog das Mädchen zu sich in das Fass. Als Alice nach einer kurzen Schrecksekunde die Augen wieder öffnete, die sie vor Angst beim Sturz in die Regentonne zusammengekniffen hatte, fand sie sich auf einer Kräuterwiese, umsäumt von einem Mistelwald, wieder.

Da der Druide gerade die Kräuter für den berühmt-berüchtigten Zaubertrank suchte, bot Alice ihm sofort ihre Hilfe an. Es stellte sich heraus, dass sie eine gute Hilfe für Miraculix war, denn Biologie und Chemie waren schon immer ihre Stärke, was auch ihre Noten in diesen Fächern bewiesen - unter jedem Test stand immer ein Sehr gut mit 0 Fehlern. Als die beiden voll bepackt mit frischen Kräutern ins gallische Dorf zurückkehrten, sammelte sich schnell eine Menschentraube, um den Gast aus der anderen Welt neugierig zu mustern und gebührend zu empfangen. Und was eignete sich dafür besser als ein Fest mit gallischen Köstlichkeiten, das sofort organisiert wurde? Natürlich war die Hauptspeise Wildschwein und es war der leckerste Braten, den Alice in ihrem ganzen Leben je gegessen hatte. Mampfend fragte sie in die Runde: „Wo habt ihr denn die köstlichen Wildschweine her?“, und Obelix antwortete blitzschnell: „Na, aus dem Wald!“, und begeistert darüber, dass ein Mädchen sich für Wildschweine interessierte, bot er Alice an, mit ihm gleich nach dem Fest auf die Jagd zu gehen. Aufgeregt drängte das Mädchen, das vor Begeisterung über die Zeitreise, die es erleben durfte, keine Sekunde mehr an zu Hause dachte und auch seine Freundinnen vollkommen vergessen hatte, Obelix zum Aufbruch. Sehr bald schon begegneten ihnen Wildschweine und da Obelix ein geschickter Wildfänger war, hatten sie in kürzester Zeit ein paar davon erlegt. Gut gelaunt kehrten die beiden ins Dorf zurück. Doch der Anblick, der sich ihnen bot, war entsetzlich:

Alles war verwüstet, niemand war mehr im Dorf, auch Miraculix war wie vom Erdboden verschwunden und von Asterix und Idefix fehlte ebenfalls jede Spur. An den Helmen, die herumlagen, erkannte Obelix sofort, dass die Römer da waren. Unglücklich und verzweifelt darüber, dass er gerade dann auf Wildschweinjagd gehen musste, als Miraculix den neuen Zaubertrank noch nicht fertig hatte und somit das Dorf bei einem Angriff völlig schutzlos war, setzte er sich auf die Erde und begann bitterlich zu weinen. Alle Versuche des Mädchens, Obelix zu trösten, scheiterten, bis Alice die rettende Idee kam: Sie beugte sich zu Obelix hinunter und flüsterte: „Ich bin sehr gut in Biologie und Chemie und habe mir die Kräuter gemerkt, die Miraculix gepflückt hat. Daher wird es sicher kein Problem sein, den Zaubertrank zu brauen.“ Obelix war begeistert von dieser Idee, alle Tränen waren vergessen und gemeinsam machten sie sich an die Arbeit. Es dauerte nicht lange und der Zaubertrank war fertig. Zumindest bestätigte Obelix, dass die Farbe des von Alice gemischten Trankes dem Original entspreche. Sie konnten nur hoffen, dass auch der Inhalt seine übliche Wirkung zeigen wird. Sie füllten die Flüssigkeit in ein Weinfass, das sie zusammen mit Fässern, die echten Wein enthielten, auf einen Pferdewagen legten, denn sie hatten nämlich vor, in der Verkleidung einfacher Händler zum römischen Lager zu fahren, die Soldaten mit dem köstlichen Wein zu verführen, die gallischen Dorfbewohner aber mit dem Zaubertrank zu stärken und so alle restlichen Hürden, die sich vielleicht bei ihrer Befreiungsaktion noch ergeben könnten, zu überwinden. Gesagt, getan. Weil die Rechnung der beiden problemlos aufgegangen war, ein Großteil der römischen Soldaten durch die Wirkung des Weines, der kleine Rest von ihnen durch die des Zaubertranks überwältigt wurde, konnten die Gallier befreit werden.

Aus Dankbarkeit für Alices mutigen Einsatz, deren Verkleidung als gallische Händlerin wirklich überzeugend war, wollte das Dorf ihr zu Ehren abermals ein Fest bereiten. Als sich das Mädchen zu Tisch setzte, fiel ihm plötzlich ein, dass es eigentlich schon längst zum Abendessen zu Hause hätte zurück sein sollen. Traurig, aber einsichtig verabschiedeten sich alle Gallier bei Alice, die als Geschenk und zur ewigen Erinnerung an das kleine gallische Dorf die Harfe des Sängers Troubadix bekam. Auch wenn diese Gabe ein wenig egoistisch war, denn die Gallier wollten in Zukunft in Ruhe ohne die in ihren Ohren grässliche Musikbegleitung ihre Feste feiern, freute sich Alice riesig und nach einem gesprochenen Zauberspruch des Miraculix fand sie sich plötzlich in ihrem alten Outfit im elterlichen Garten wieder.

So als ob nichts geschehen wäre, kam sie mit der Harfe untern Arm und den von der Mutter geforderten Kräutern zurück. Auf den fragenden Blick der Familie hin, wo sie so lange gewesen sei, begann Alice zu erzählen.

 

         

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Ansprechpartner: Prof. Barbara BRANDSTEIDL, Prof. Thomas KNOB, Prof. Franz LUX, Prof. Brigitte ZERLE
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