Literatur

 

 

Projekt "Fortsetzung folgt"

Ein Roman des GRg19

 

1. Kapitel (1A): Auf hoher See

Als sich der blaue Rauch um Tom lichtete, befand er sich in einem großen Hafen. Tom hatte schon einmal einen Hafen gesehen, aber dieser sah völlig anders aus. Tom schaute sich die Schiffe an und bemerkte, dass er in der Vergangenheit war. Alles sah so aus wie in seinen Büchern: Die Schiffe waren aus Holz gebaut und hatten riesige Segel, und die Leute waren sehr seltsam angezogen. Sie trugen einen Turban und hatten komische spitze Schuhe an. Sindbad selbst war auch ähnlich gekleidet, aber er stach durch seine Größe und Kraft hervor. Alle Leute bewunderten die moderne Kleidung Toms, weil sie noch nie Jeans, T-Shirt und Turnschuhe gesehen hatten. Leider blieb Tom keine Zeit sich lange umzuschauen, denn Sindbad drängte, rasch ein großes Schiff zu besteigen und in See zu stechen. Bald fand sich ein Kapitän, der Sindbad noch einen Gefallen schuldig war, und so stimmte er sofort zu, als ihn die beiden darum baten, mit seinem Schiff fahren zu dürfen.

Es war ein prächtiges Schiff. Die Seeleute trugen schwere Kisten mit Essensvorräten an Bord und noch vieles andere wie Decken, Gewand, Kanonen, Kanonenkugeln und Waffen. Die Besatzung bestand aus 50 Matrosen, 100 Soldaten und dem Kapitän. Da das Schiff zahlreiche große Masten hatte und diese mit riesigen Segeln versehen waren, kamen sie rasch voran.

Stundenlang standen sie auf dem Deck des großen Schiffes. Vor ihnen erstreckten sich die unendlichen Weiten des Meeres. Tom war es ein bisschen flau im Bauch, weil er seine Familie vermisste. Sindbad bemerkte die Stimmung von Tom und sagte aufmunternd: „Na, das ist doch toll, oder?“ Tom erwiderte: „Ja, schon – aber meine Familie wird sich Sorgen machen, wo ich solange bin.“ Sindbad beruhigte ihn und erläuterte ihm noch einmal die Bedeutung dieser Reise. Tom sah zu Sindbad auf und fragte ihn: „Wohin fahren wir?“ „Zu einer Insel, auf der sich das Steuerrad eines Schiffes befindet, mit dem ich früher einige Abenteuer erlebt habe, die dir bekannt sein dürften.“

Weiter kam er nicht, denn plötzlich entdeckte er ein Schiff am Horizont. Sofort wusste er, dass es ein Piratenschiff sei. Er schrie aufgeregt: „Hilfe! Wir müssen zu entkommen suchen!“ Es zeigte sich aber, dass die Piraten schneller waren. In letzter Sekunde hatte Sindbad die rettende Idee. Er ließ die Pestflagge hissen und befahl allen unter Deck zu gehen. Nur er selbst legte sich an Deck und stöhnte laut vor Schmerz. Als die Piraten das sahen, segelten sie wieder ganz rasch davon.

Nach diesem Abenteuer dauerte es nicht mehr lange, bis ein Matrose rief: „Land in Sicht!“ Bald konnte der Anker gesetzt werden. Sindbad sprach zu Tom: „Hier kannst du die Beweise holen, die wir brauchen. Komm, wir rudern zur Insel!“ Tom und Sindbad stiegen in ein kleines Beiboot, das sie an den Sandstrand brachte.

Beide begannen den Strand eifrig abzusuchen, aber lange ohne Erfolg. Plötzlich stolperte Tom über etwas, das ein Stück aus dem Sand herausragte. „Schau mal – ein altes Steuerrad!“ Sindbad erwiderte: „Ja, das ist es – ich habe es vor langer Zeit hier vergraben.“ „Lass es uns ausgraben und schnell wieder verschwinden“, forderte Tom. Außer dem Steuerrad fanden sie noch eine geheimnisvolle Karte, die Sindbad in einem Metallrohr zusammen mit dem Steuerrad vergraben hatte. „Lass uns wieder an Bord gehen“, sagte Tom, nahm die Beweisstücke unter den Arm und beide ruderten zum Schiff zurück.

Bald befanden sie sich wieder auf dem Segelschiff. Nach ungefähr einer Stunde waren am Horizont dunkle Wolken zu sehen. Es dauerte nicht lange, so brach mitten auf dem Meer ein arger Sturm los, sodass das Schiff sehr stark zu schlingern begann. Die Wellen schwappten über die Reling und Tom wurde seekrank. Er musste sich festhalten, um nicht über Bord zu gehen. Sindbad rief: „Es ist nicht mehr weit! Sieh doch dort vorne! Siehst du den bläulichen Ring über dem Meer? Das ist dein Weg nach Hause, wenn du es bis zum magischen Portal schaffst!“ Tom klammerte sich verzweifelt an den Mast und hielt dabei die Karte und das Steuerrad mit aller Kraft fest. Er hatte große Angst, dass das Schiff kentern könnte und damit die Beweise verloren wären. Nicht weniger sorgte er sich natürlich um sein und Sindbads Leben. Schließlich rief Sindbad: „Du bist jetzt nah genug, sodass du mit einem kräftigen Sprung das Portal erreichen kannst!“ Tom antwortete: „Danke, dass du mich wieder in meine Welt gebacht hast. Tschüs!“ „Lebe wohl!“, antwortete Sindbad und Tom sprang in den blauen Ring.

Es wurde ihm ganz schwummerig vor den Augen, blauer Rauch umgab ihn und dann war er plötzlich wieder im Wohnzimmer. So schnell konnte es sich der neuen Situation gar nicht bewusst werden, wurde er auch schon von seinen Geschwistern heftig umarmt. Sie riefen: „Mama, Papa, kommt schnell! Tom ist wieder da!“ Als die Eltern Tom sahen, standen ihnen vor lauter Freude über die Rückkehr ihres Sohnes Tränen in den Augen. Alle freuten sich riesig, dass er wieder zurück war und seine Geschwister drängten ihn von seinem Abenteuer genauestens zu berichten. „Wie war es? Was hast du erlebt? Konntest du ein Beweisstück finden, damit man an Sindbad glauben kann?“

Tom antwortete: „Wartet, alles nach der Reihe. Es war unglaublich toll! Es war, als wären die Worte, die ich gelesen habe, wahr geworden.“ Schließlich setzten sich alle um den Tisch im Wohnzimmer und lauschten gespannt Toms Erzählung. Am Ende seines Berichts angelangt, zeigte er das Steuerrad und die alte Karte, was alle tief beeindruckte und selbst die letzten Zweifel ausräumte. „Wo wirst du Sindbads Sachen aufbewahren, bis wir alle Beweisstücke für die Wahrheitskommission zusammen haben?“, fragte seine Schwester Alice. Sofort begannen alle Vorschläge zu machen, bis sich letztlich Toms Wunsch durchsetzte. So wurden die Karte und das Steuerrad in Toms Zimmer aufgehängt.

„Wir haben einen sehr aufregenden Tag gehabt und es ist auch schon sehr spät!“, meinte die Mutter mahnend. Alle gingen in ihre Zimmer und legten sich zu Bett. Jeder träumte in dieser Nacht vom weiten Meer, von Piraten, von Schiffen und Schätzen und – natürlich von Sindbad.

 

         

ZU DEN ILLUSTRATIONEN

 

Ansprechpartner: Prof. Barbara BRANDSTEIDL, Prof. Thomas KNOB, Prof. Franz LUX, Prof. Brigitte ZERLE
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