Literatur

 

Projekt "Fortsetzung folgt"

Ein Roman des GRg19

 

16. Kapitel (4A): Alles bewiesen!!! ... oder doch nicht

Mittlerweile waren nun schon vier Wochen vergangen seit den letzten Abenteuern der Millers. Sie hatte sie sogar schon alle aufgeschrieben. Nun war es wieder einmal Zeit zum Abendessen. Alle begaben sich ins Esszimmer und nahmen Platz, während Frank Miller das Abendessen, Schnitzel und Reis, servierte. Alle aßen schweigend auf, niemand hatte mehr Hoffnung von einer literarischen Figur abgeholt zu werden und auf Mutter Barbaras Bitte gingen dann auch die Kinder ins Bett.

„Ich werde noch ein wenig arbeiten“, sagte Frank und stieg die Stufen zum Schlafzimmer der Eltern hinauf.

„Ich werde noch ein bisschen fernsehen!“, rief Barbara ihm noch nach, bevor er im ersten Stock verschwand.

Sie ging in die Küche, holte sich eine Packung Chips und setzte sich vor den Fernseher. Sie schaltete ein, doch schon nach wenigen Minuten am Sofa nickte sie ein.

Nach einigen Minuten schreckte sie auf. Irgendwas hatte da doch gerade geknallt. Sie kam drauf, dass es nur das offene Fenster gewesen war, das zuschlug, weil der Wind so stark blies. Sie stand auf um es zuzumachen, doch als sie sich wieder hinsetzen wollte saß da schon jemand!

Es gab solche Tage an denen Frank Miller seinen Beruf regelrecht hasste, und dieser war eindeutig einer davon. Er saß in seinem bequemen Ohrensessel und arbeitete sich durch den gesamten Sakrileg Stapel durch. „Warum müssen gute Ideen immer gleich ausgeschlachtet werden?“, fragte sich Frank laut und natürlich war es seine Aufgabe, als Journalist der Literaturredaktion, den ganzen Sakrileg-Ablegern eine Kritik zu verpassen. In dem Stapel der gelesenen Bücher befand sich unter anderen „Da Vinci Code Decoded“, „The Truth Behind The Da Vinci Code“ und „Das Sakrileg um die heiligen Frauen“. Genervt griff er zu einem weiteren Buch: „ Das Wahre Sakrileg“. Gleich zu Beginn sprangen Frank die wohlbekannten Wörter „Sakrileg, was steckt wirklich hinter dem Mythos“ entgegen, ihm war klar, dass diese Nacht noch lange dauern würde, sehr lange. Bereits nach den ersten 25 Seiten wurde Frank müde, er nahm sich vor nur ein kurzes Nickerchen zu machen, legte „Das Wahre Sakrileg“ aus der Hand und machte es sich in seinem Sessel gemütlich.

Währenddessen war Oliver schon in sein Zimmer gegangen und hatte sich seinen Schlafanzug angezogen. Er hatte sich gründlich die Zähne geputzt und war anschließend in sein warmes Bett geschlüpft und hatte sein Lieblingsbuch „Star Wars“ aufgeschlagen. Er hatte eine Weile gelesen, als er Durst bekam und ins Badezimmer ging, um einen Schluck Wasser zu trinken.

Er wollte noch kurz in Alice’ Zimmer schauen und ihr eine gute Nacht wünschen, doch die Türe war verschlossen. Also ging er zurück in sein Zimmer und schloss die Tür. Er drehte sich um und ging zurück zu seinem Bett. Er wollte gerade sein Buch wieder aufschlagen, als er eine Stimme hörte.

„Oliver!“, rief sie ganz zärtlich. Es war nicht mehr als ein Hauch.

Er schreckte hoch. Doch da war niemand. Er durfte nicht so viel zu Abend essen, dann bildete er sich immer etwas ein. Doch dann wieder:

„Oliver!“ rief die Stimme, diesmal etwas lauter.

Er schaute zur Tür. Nichts. Er schaute zum Fenster. Nichts. Er schaute noch mal zur Tür, doch inzwischen stand da jemand.

„Alice, hast du mich jetzt erschreckt“, sagte er. „Ich hab dich nicht einmal gehört, als du hereingekommen bist. Was willst du?“

Irgendetwas war anders an ihr, er wusste nur nicht, was. Sie sah nicht verändert aus, nein, sie wirkte nur so.

„Du bist nicht Alice, hab ich Recht?“ fragte er sie zögernd.

„Ja und nein,“ antwortete sie geheimnisvoll.

„Was meinst du damit?“ Er verstand gar nichts mehr.

„Also Oliver, hör mir jetzt gut zu!“

Barbara Miller stand verdutzt vor dem Sofa. Da, wo sie gerade noch vor zwei Minuten gesessen hatte, saß jetzt ihr Ehemann, Frank.

„Was machst du denn hier?“, fragte sie. „Ich dachte, du wolltest doch noch was lesen.“

„Das tu ich auch. Ich bin nicht der Frank, der jetzt gerade oben sitzt und in Büchern blättert. Also, jedenfalls nicht genau derselbe. Ich bin der Frank von vor ein paar Wochen, mittlerweile habe auch ich mein Abenteuer erlebt. Frag nicht, warum ich hier bin, dazu komme ich gleich. Also, ich habe eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute ist, dass ihr die Existenz aller literarischen Figuren bewiesen habt. Die schlechte ist, dass ihr nun, wo ihr eure Erlebnisse aufgeschrieben habt, ja in gewisser Weise auch selbst zu literarischen Figuren geworden seid, für die es allerdings nicht den Hauch eines Beweises gibt. Ich bin einer von ihnen. Dadurch komme ich auch gleich zu meinem Anliegen: Ich bitte dich, mein Abenteuer aus deiner Perspektive noch einmal zu erleben. Du musst mir etwas aus meiner Tasche klauen oder mir ein Haar ausreißen und das dann mitnehmen. Dadurch wäre dann meine Existenz bewiesen. Allerdings musst du dies unauffällig machen, niemand darf bemerken, dass du da bist, am wenigsten ich, da du sonst die ganze Geschichte durcheinanderbringen würdest und so unter Umständen deine oder meine, besser gesagt Franks Existenz gefährden könntest. Verstanden?“

Und bevor Barbara auch nur irgendetwas antworten konnte, wurde ihr schwindlig und blauer Rauch umfing sie.

„Schatz wach auf!“

Frank gähnte, reckte sich und starrte durch Barbaras Brillengläser: „Es tut mir Leid, bin wohl eingenickt, ich komme schon ins Bett.“

„Ich brauche deine Hilfe!“

„Sag nicht, der Nachttisch ist schon wieder eingestürzt!“, sagte Frank, schon bereit sein Werkzeug aus dem Keller zu holen.

„Nein, du musst mich beweisen!“

„Du stehst vor mir was gibt es da schon zu beweisen!“, sagte er und wandte sich zur Treppe um sich schlafen zu legen.

„Du kannst dich doch noch an die Herkules Geschichte erinnern, oder?“

„Natürlich.“ Frank hatte oft gehofft noch ein zweites Abenteuer erleben zu dürfen.

„Und genauso wie du mit dem Schwert Herkules bewiesen hast, musst du jetzt beweisen, dass meine Reise wahr war. Aber du darfst den Lauf der Geschichte nicht verändern, wer weiß was das für Auswirkungen hätte!“

Was? Seine Frau beweisen? Frank wurde übel zumute und er setzte sich.

Was würde passieren, wenn er Barbara nicht beweisen konnte? Ihm war klar, dass er ihr helfen musste, trotzdem wurde er von dem Gedanken Barbara zu beweisen überwältigt.

Nachdem er sich wieder gefasst hatte, war er schon fast froh ein weiteres Abenteuer zu erleben, und dem Sakrileg Stapel zu entgehen.

Er hatte keine Ahnung, was alles schief gehen würde!

 

Gelangweilt griff Tom nach der „Jagd auf die blaue Banane“, das er von seiner Tante zum Geburtstag bekam, und da eben erwähnte nächstes Wochenende auf Besuch kommen würde, war es seine Aufgabe alle geschenkt bekommenen „Tom Turbos“ zu lesen.

Tom wunderte sich, wie jemand so ungebildet sein konnte, um zu glauben, es gäbe „Donnertempel“ im Urwald, und die Geschichte von einem bellenden Pony war auch alles andere als realistisch. Natürlich, normale Kinder würden solche Geschichten verzeihen, nicht aber Tom, der als Historiker auf beinharten Fakten bestand. Trotzdem las er weiter, wahrscheinlich weil er seine Tante zu sehr mochte um ihr zu sagen ihre Bücher seien langweilig.

Als der Affe mit der „blauen Banane“ in den Urwald floh, kam Rebecca in sein Zimmer.

Tom sah auf, froh nicht mehr in dieses Buch starren zu müssen, und fragte Rebecca, was denn los sei.

Als Rebecca ihr erzählte sie müsse bewiesen werden, tat Tom auch das als Unfug ab, so etwas sei nicht mit einem logischen Verstand zu vereinen.

„Und was ist mit Sindbad gewesen?“

„Was soll gewesen sein?“, fragte Tom, wohl wissend, worauf Rebecca hinaus wollte.

„War Sindbad etwa mit deinem logischen Verstand vereinbar?“

Obwohl Tom mit dieser Antwort gerechnet hatte, fiel ihm keine passende Antwort ein, und nach einer guten halben Sekunde ergriff Rebecca die Initiative und drängte Tom zur Abreise, der ihr widerwillig folgte.

Alice hörte in ihrem Zimmer Musik. Es war so laut, dass sie nicht hörte, was in ihrem Zimmer passierte. Sie setzte sich auf ihren Sessel und schaute aus dem Fenster. Plötzlich griff ihr jemand auf die Schulter. Ganz erschrocken drehte sie sich um. Es stand Tom vor ihr. Er sah ganz blass aus. Er erklärte ihr das, was auch schon Barbara Frank und Frank Barbara erzählt hatte, und sagte ihr, was sie zu tun hatte. Sie antwortete, sie würde tun, worum er sie gebeten hatte, und im nächsten Augenblick war sie auch schon in einem Hafen. Sie sah Tom, der gerade auf Sindbads Schiff ging. Alice wartete, bis die Luft rein war, und lief auf das Schiff. Sie versteckte sich zwischen Vorratskisten und zog sich einen Kartoffelsack über den Körper. Nach ein paar Minuten fuhren sie los. Plötzlich hörte sie Tom sagen: "Hilfe! Piraten!" Alice spähte über die Reling und sah, dass ein Piratenschiff auf sie zukam.

Alice schaute den Masten hoch und sah, dass jemand die Pestflagge hisste. Alice schaute wieder nach den Piraten. Sie fuhren wieder weg. Die Gefahr war vorüber. Plötzlich schrie Tom: "Land in Sicht!" Danach fuhren Sindbad und Tom zu einer Insel. Da Alice von den beiden nicht gesehen werden durfte, sprang sie ins Wasser und schwamm zur Insel. Dort angekommen lief sie so schnell wie möglich hinter eine Palme und beobachtete Sindbad und Tom bei ihrer Schatzsuche. Nach einiger Zeit hatten sie den Schatz gefunden und ausgegraben.

Alice war schon fast verzweifelt, da sie noch immer keinen Beweis gefunden hatte. Doch dann passierte es. Tom fiel fast hin, als er über einen Stein stolperte. Dabei riss sein Schnürsenkel ab. Alice erkannte die Möglichkeit und lief, sobald Sindbad und Tom weg waren, zum Schnürsenkel und steckte ihn ein. Plötzlich erschien um sie herum eine Rauchwolke. Als sich der Rauch wieder verzog, war sie wieder in ihrem Zimmer. Sie gab den Schnürsenkel in ihr Nachtkästchen und legte sich ins Bett. Kurz darauf schlief sie ein.

Im nächsten Moment stand Barbara auf einer Laufbahn eines Stadions. Es sah so aus, als würden die Olympischen Spiele gerade stattfinden. Ein paar Bahnen weiter sah sie ihren Mann, der gerade den Blick in ihre Richtung warf. Sie drehte sich schnell weg und setzte einen Helm auf, der neben ihr auf dem Boden lag. Kurz sah es so aus, als wollte er zu ihr herüberkommen, dann jedoch ertönte ein Pfiff und sie mussten loslaufen. Barbara gab alles was sie konnte und kam sehr nahe an ihren Mann heran. Er rannte als Erster ins Ziel, Barbara folgte als Zweite. Sie verstellte ihre Stimme so tief sie konnte und schritt mit klopfendem Herzen auf Frank zu.

„Herzlichen Glückwunsch“, sagte sie zu ihm mit ihrer verstellten Stimme und bevor er ihr auch nur ins Gesicht schauen konnte, hatte sie ihm schon die Hand gegeben. Dann ging sie schnell weg, in der Hand den Ehering ihres Mannes. Sie hatte ihn ihm schnell vom Finger gezogen.

Und ihre Mutter hatte ihr damals als Kind einreden wollen, dass man von Gaunern und Dieben nichts lernt!

Plötzlich fiel ihr etwas ein und sie bekam ein schlechtes Gewissen. Erst heute hatte Frank sie in der realen Welt gefragt, ob sie seinen Ring gesehen hätte, worauf sie fürchterlich wütend geworden war. Bevor sie jedoch bedauern konnte, wie sehr sie ihn angeschrieen hatte, wurde sie schon wieder von dem blauen Nebel umhüllt und im nächsten Moment befand sie sich wieder im Wohnzimmer. Sie sprang sofort auf und eilte aus dem Zimmer.

Sie musste Frank etwas gestehen...

In der Zwischenzeit hatte die literarische Alice Oliver in etwa dasselbe erklärt, was Frank Barbara erzählt hatte.

„Viel Glück, und nicht vergessen, du darfst weder eingreifen noch etwas verändern, das könnte sehr gefährlich werden! Für uns alle!“ rief sie und auch Oliver umfingen die blauen Nebelschwaden.

Plötzlich fand er sich wieder inmitten von Bäumen und Büschen. Vor ihm lag eine Lichtung auf der ein...Oliver erschrak! War das ein Drache? Ja wirklich, da war ein Drache, der dort auf der Lichtung saß, doch es sah so aus, als würde er Oliver nicht bemerken.

Doch wo war Alice??

Oliver wartete und wartete, bis schließlich ein Recke eintraf, der mit dem Drachen kämpfte und siegte. Der Drache lag reglos am Boden. Dann endlich bekam er Alice zu Gesicht, welche angelaufen kam und versuchte, dem Drachen eine Schuppe rauszuziehen. Doch dann sah Oliver, dass der Drache seine Augen wieder öffnete und ihn kurz hämisch anzwinkerte.

Fast schon wollte Oliver seine Schwester warnen, doch dann rief er sich noch einmal ihre Worte in den Kopf. Er durfte nichts tun. Also musste er mit ansehen, wie der Drache sich langsam regte und Anstalten machte aufzustehen. Doch nun endlich war es auch Alice aufgefallen und sie rannte weg. Er humpelte ihr nach, doch schon bald wurde er von einem Speer getroffen, den der Recke von vorhin, es musste Siegfried gewesen sein, geworfen hatte.

Nun war der Drache endgültig tot und Alice nahm eine Schuppe an sich und füllte etwas Drachenblut in etwas, das aussah wie eine „Tic Tac“- Dose. Dann allerdings füllte sie es wieder um, in ein hübsches Fläschchen.

Plötzlich fiel Oliver ein, dass er noch keinen Beweis hatte, dass Alice hier war. Vor lauter Aufregung hatte er das völlig vergessen.

Dann fiel ihm etwas ein. Die „Tic Tac“-Dose! Sie musste noch irgendwo sein! Also schlich er aus seinem Versteck zwischen den Bäumen und huschte am Boden herum, darauf bedacht, dass niemand ihn wahrnahm, vor allem nicht Alice. Dann fand er es. Das kleine Döschen, das voll war von Drachenblutspritzern. Er nahm es an sich und huschte wieder in sein sicheres Versteck, doch bevor er noch da war, wurde ihm schwindlig und im nächsten Moment lag er zuhause in seinem Bett, auf seinem Nachtkästchen eine blutbefleckte „Tic Tac“- Dose.

Nach dem Essen rannte Rebecca etwas betrübt in ihr Zimmer, da niemand zu bemerken schien, dass sie in zwei Tagen Geburtstag hatte. Für Rebecca war ihr Geburtstag so etwas Wichtiges wie der heilige Gral im 12. und 14. Jahrhundert. Sie lag meist schon Wochen vor ihrem Geburtstag nächtelang wach und konnte an nichts anderes mehr denken. Und so war es auch heute: An nichts anderes denkend legte sie sich schlafen. Doch sie war nicht müde genug. Sie saß aufrecht in ihrem Bett und versuchte einzuschlafen. Doch es gelang ihr nicht und so las sie zum hundertsten Mal: „Das Pferd im Morgenrot“ von Ned Ackerman. Wieder mal schaffte es Ned Ackermann Rebecca zu begeistern und sie von ihrem Geburtstag abzulenken.

Als sie es zu Ende gelesen hatte, wollte Rebecca aufstehen, jedoch waren die Wände der Familie Miller so dünn, dass selbst wenn man nur ein Taschentuch fallen lassen würde, man dies hörte. Sie schwitzte so stark, dass sie einfach aufstehen musste. Ihre spindeldürren Finger tasteten nach dem Türknauf doch stattdessen spürte sie etwas Weiches, Menschliches. Sie wollte schreien aber ihr Mund wurde zugehalten und eine leise, vertraute Stimme sagte: „Beruhige dich. Ich bin es, Oliver“. Rebecca wollte dem nicht wirklich Glauben schenken und biss dem angeblichen Oliver in die Hand. Dieser schrie nicht auf, sondern löste nur seine Hand von Rebeccas Mund. Rebecca drehte sich um und sah Olivers schmerzverzerrtes Gesicht und umarmte ihn zur Versöhnung. Dieser blickte wütend auf Rebecca herab, die sich tausend Mal entschuldigte. Sie fragte, was er hier mache. Daraufhin antwortete er, dass er gekommen sei, um mit ihrer Hilfe seine Existenz zu beweisen.

Rebecca war sofort bereit, ihrem Bruder zu helfen. Doch zuallererst musste sie in Erfahrung bringen, was zu tun war. Oliver begann mit folgenden Worten: „Rebecca, du darfst niemals vergessen, dass dich unter keinen Umständen jemand sehen darf. Du weißt bereits, dass du etwas von mir in die reale Welt mitbringen musst. Du darfst aber dabei nicht die Geschichte verändern, da sonst unser aller Leben in Gefahr kommen könnte. Ich werde dich jetzt in die Vergangenheit schicken. Viel Glück!“

Wie sie es schon von ihren anderen Abenteuern her kannte, verschwand sie auch diesmal in einem gleißenden Licht von blauem Nebel. Als der Nebel sich lichtete, sah Rebecca zu ihrer großen Überraschung, dass sie sich im Haus der Millers befand. Doch kaum vernahm sie Schritte, versteckte sie sich schnell hinter einer Tür. Unsicherheit befiel sie, als sie die Stimme ihrer Mutter erkannte. Da fiel ihr auf, dass es draußen Tag war und es gerade eben noch finstere Nacht gewesen war. Sie lauschte, wie sich Oliver mit seinen Eltern stritt, weil er ein „Nicht genügend“ geschrieben hatte. Dies kam Rebecca allzu bekannt vor, denn sie hatte von diesem Streitgespräch schon mehrmals  gelesen. Daher wartete Rebecca schon auf Pippi Langstrumpfs Erscheinen und kaum hatte sie dies gedacht, war diese auch schon da. Fast eine Stunde lang hockte Rebecca hinter der Tür, bis Pippi endlich verschwand und auch die Eltern von Oliver. Nun war der günstigste Zeitpunkt, die Schularbeit zu stehlen, um sie als Beweismaterial zu verwenden. Das einzige Problem war Oliver selbst, der noch immer in der Küche stand und sich ein Sandwich machte. Rebecca stieß trotzdem hervor, weil Oliver mit dem Rücken zu ihr stand. Doch plötzlich drehte der sich um. Rebecca stürzte sich unter den Tisch und schlug sich dabei den Kopf an, wodurch ein hölzernes Geräusch erklang. Natürlich hörte auch Oliver dies. Er drehte sich daher um, doch sah niemanden. Jedoch war er misstrauisch geworden und schaute hinter die Tür, hinter der sich Rebecca zuvor versteckt hatte. Glücklicherweise lenkte ihn dann sein Sandwich wieder ab und er ging mit dem Teller aus der Küche hinaus. Dies war der Zeitpunkt, die Schularbeit zu packen und so schnell wie möglich zu verschwinden. Schon hörte Rebecca wieder Schritte näher kommen und griff nach der Schularbeit. Daraufhin umlichtete sie wieder Nebel und fand sich in ihrem Zimmer wieder. Dort suchte sie nach Oliver. Doch dieser war bereits verschwunden. Bloß sein „Nicht genügend“ lag auf ihrem Schreibtisch. Nun war sie noch aufgeregter als zuvor und konnte überhaupt nicht mehr schlafen und las wieder ein Buch über Pferde.

Frank landete auf einer saftigen grünen Wiese nahe einem Wald, dessen Bäume keine Äste trugen. Sein erster Gedanke war sich nicht sehen zu lassen, geduckt lief er zu der nahesten Baumgruppe, und das keinen Augenblick zu früh, denn Barbara und ein seltsames Wesen, vermutlich Dobby, erschienen auf der Wiese, die Frank vorhin als Landeplatz missbraucht hatte.

Plötzlich hörte er ein Knarren zu seiner Rechten, er erblickte ein menschenähnliches Wesen, das irgendwie aber doch kein Mensch war. Frank hörte einen durchdringenden Schrei, der nur von Barbara kommen konnte. Er stürzte hervor, doch sein Verstand war klar genug um zu begreifen, dass er seine Deckung nicht aufgeben durfte.

„Aber du darfst den Lauf der Geschichte nicht verändern, wer weiß, was das für Auswirkungen hätte!“ hörte er ihre Stimme erneut.

Noch ein Schrei, ein hilfloser Schrei!

Er musste ihr helfen!

Er durfte ihr nicht helfen!

Seine Gedanken überschlugen sich, die Angst kroch ihm den Rücken hinunter. Frank spähte hervor und sah wie ein Werwolf, über Barbara lag. Gebannt starrte Dobby auf den Werwolf. Frank nahm die Gelegenheit wahr und nutzte jeden Schatten dieser Vollmondnacht um näher an Barbara zu kommen.

Frank sah Barbaras Brille am Boden liegen und begriff sofort, was zu tun war. Er lief so schnell er konnte, sprang und griff nach der Brille.

Frank landete auf dem harten Küchenboden, die rote Brille in der rechten Hand, neben ihm stand Barbara.

„Gut gemacht!“

Frank umarmte Barbara fest, „Ich dachte, du stirbst dort drüben!“

Barbara lachte „Aber du hast doch ganz genau gewusst, was passieren wird! Ich hab dir doch beim Essen alles erzählt!“

Frank wurde alles klar, seine ganze Angst war umsonst gewesen, er erzählte Barbara alles, was er erlebt und empfunden hatte, bis sie sich entschloss wieder schlafen zu gehen, Frank jedoch war von dem Abenteuer so aufgewühlt, dass er nicht schlafen konnte und sich wieder in den Ohrensessel setzte und „Das Wahre Sakrileg“ zur Hand nahm.

Tom stand plötzlich in einer dunklen Höhle, nachdem sich seine Augen an die Dunkelheit gewöhnt hatten, sah er etwas Riesiges vor sich liegen, ängstlich griff Tom nach dem Etwas. Seine Hand spürte ein warmes, weiches Fell, er erinnerte sich daran in dem Buch etwas von einer Höhle gelesen zu haben, aber konnte es wirklich sein, war das Fuchur?

Langsam und beinahe lautlos schlich Tom sich näher an den Höhleneingang. Auf dem Boden lag eine Schlange und von der bezaubernden Blumenwiese, sah er zwei Menschen kommen. Tom erkannte Rebeccas blondes Haar schon von weitem, folglich musste der Junge neben ihr Atreju sein. Als Rebecca zu der Schlange kam, reckte diese ihren Kopf und zischte irgendetwas unverständliches.

Tom traute seinen Augen nicht, küsste Rebecca wirklich eine Schlange? Das würde sie bereuen, dachte Tom und kicherte leise in sich hinein. Rebecca hatte eine Schlange geküsst!

Fuchur regte sich plötzlich und Tom verschwand in den hinteren Teil der Höhle, als Fuchur zur Gänze aus der Höhle gekrochen war, schlich sich Tom zum Höhleneingang. Doch jetzt stand ein Junge an der Stelle die vorher die Schlange inne hatte.

Diesen Jungen kannte Tom doch, das war Patrick aus Rebeccas Klasse, deswegen hatte Rebecca nie erzählt, wie Lusi aussah. Aber er hatte noch immer keinen einzigen Beweis gefunden!

Als Rebecca und Atreju fast nicht mehr zu sehen waren, lief er hinaus um irgendetwas, das von Rebecca stammen könnte, zu finden.

Nichts! Niedergeschlagen, weil er versagt hatte, lief er den beiden nach. Er erreichte den hohlen Baumstamm, von dem er wusste, dass er ihn wieder zurück nach Hause bringen würde. Tom verwarf den Gedanken, zurück zum Höhleineingang zu gehen und sich noch einmal umzusehen. Er machte sich schon auf eine Standpauke von seiner Schwester bereit, doch da sah er ein Bettlerarmband auf einem Ast hängen, Tom erkannte sofort, dass es von Rebecca stammte. Fröhlich griff er nach dem Armband und kroch in den hohlen Baumstamm hinein.

„Iiiihhhh, du hast eine Schlange geküsst!“, neckte Tom, als dieser aus dem hohlen Baumstamm hervorkroch.

Bestürzt von der Tatsache, dass Tom nun wusste, was es mit ihrem ersten Kuss auf sich hatte, versuchte sie Tom davon zu überzeugen nichts zu verraten, was dieser jedoch ausschlug.

„Du erzählst niemandem etwas, sonst...“, drohte Rebecca ihm an.

„Sonst was?“, antwortete Tom und neckte weiter, „Du hast eine Schlange geküsst! Du hast eine Schlange geküsst!“

„Du kannst dich sicher noch an die Geschichte mit Cindy erinnern, oder?“

Schlagartig wurde Tom still.

„Hör zu, Ich erzähle nichts weiter, wenn du den Kuss für dich behalten kannst.“

„Abgemacht?“

„Abgemacht! Und jetzt solltest du ins Bett gehen, es ist schon spät“, sagte Rebecca und verschwand in einer Wolke aus blauen Rauch.

Einsichtig folgte Tom ihrer Anweisung und schlich sich in sein Zimmer zurück.

Ruhe kehrte ein im Hause Miller. Der Tag, an dem die Kinder mit ihren Eltern vor die Wahrheitskommission  treten sollten, konnte kommen.

 

         

ZU DEN ILLUSTRATIONEN

 

Ansprechpartner: Prof. Barbara BRANDSTEIDL, Prof. Thomas KNOB, Prof. Franz LUX, Prof. Brigitte ZERLE
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