Literatur

 

Projekt "Fortsetzung folgt"

Ein Roman des GRg19

 

10. Kapitel (3C): Darth Vader

Es war ein verregneter Abend, wie ihn Oliver mochte. Er ging in sein verdunkeltes Zimmer, da er so besser der Realität entfliehen konnte. Wenn andere Kinder an einem sonnigen Tag im Park Fußball spielten, blieb er zu Hause, zog die Vorhänge zu, nahm sein Lieblingsbuch in die Hand, schlug es auf und seine trüben Augen begannen, die Buchstaben regelrecht aufzusaugen.

Auch an diesem Abend las er in seinem Lieblingsbuch STAR WARS. Die folgenden Worte sprach er sich laut vor: „Die Panzertür öffnete sich langsam. Man hörte langsame und schwere Atemzüge…“ Oliver war es, als wäre dieser Atem real. Aber was ist schon real? Er schlug das Buch zu, als er ein Geräusch hörte. Da erkannte er es. Es kam von der Kaffeemaschine. Er ging  in die Küche und holte eine schmutzige Tasse aus der Spüle. Es kam ihm ein wenig seltsam vor, dass die Familie Miller wegen des vielen Lesens nicht mehr zum Putzen kam. Er goss sich hastig Kaffee in die Tasse, schüttete die heiße Brühe die Kehle hinunter und rannte zurück in sein Zimmer. Alles musste schnell und unbewusst geschehen, um ja nichts von  der Umwelt mitzubekommen. Das könnte ihn aus dem Lesefieber bringen. Als Oliver sein Zimmer wieder betrat, setzte er sich auf sein Bett und las weiter. Jetzt war genau das passiert, was er hasste: Er hatte vergessen, welche Stelle er gerade gelesen hatte. Er murmelte vor sich hin: „Wo war ich denn?“ Eine düstere Stimme gab ihm zur Antwort: „Die Panzertür öffnete sich langsam. Man hörte ein schweres Atmen.“ Ohne weiter darüber nachzudenken, bedankte er sich und las weiter.

Da kam es ihm: „Hm...Darth Vader steht in meinem Zimmer und sagt mir die Stelle im Buch. Darth Vader steht in meinem Zimmer.“ Mit einem Schrei sprang er nach hinten, nahm den erstbesten Gegenstand und warf ihn nach Darth Vader. In den Wirren des Kampfes, der sich nun entspann, verlor Oliver jeden Sinn für Orientierung. Ihm wurde schwarz vor Augen und er verlor das Bewusstsein. Als er langsam wieder zu sich kam, bemerkte er, dass er sich in einem weißen Raum befand. Und da standen noch viele Menschen, wobei es eigentlich nur ein Mensch war, der da stand, denn die anderen oder das andere waren viel kleiner als ein Mensch und viel grüner. Er wollte sich aufrichten, doch soweit kam es nicht. Ehe er etwas sagen konnte, verlor er neuerlich das Bewusstsein, aber von irgendwoher her hörte er eine Stimme: „Aufstehen du musst, essen du musst!“ Oliver hatte Angst, er könne nie mehr aus seiner Ohnmacht erwachen, doch die Stimme ermunterte ihn: „Aufstehen du musst!“ Oliver richtete sich, wenn auch nur sehr langsam, auf, rieb sich die Augen und schaute sich um. „Wer spricht da?“, fragte er noch leicht benommen. Da bemerkte er, dass die Stimme von der kleinen Gestalt kam. Sie machte einen weisen und irgendwie kränklichen Eindruck. „Beweise du suchst, dir helfen ich werde,“ sagte Yoda mit beruhigender, aber fast befehlender Stimme. Oliver war sehr  verwundert. Wie kam er hierher? Und vor allem, wie kam Darth Vader in sein Zimmer? Yoda schien seine Zweifel zu bemerken. „Angst ich fühle in dir, aber wisse, Angst führt zu Wut, Wut führt zu Hass und Hass führt zu unsäglichem Leid.“ Oliver sagte: „Oh, aber eigentlich suche ich nur Beweise und will dann nach Hause.“ Diese Aussage betrübte Yoda sehr: „Zum Tempel der Jedi, du musst. Beweise du finden wirst.“ Oliver sagte: „Aber wie werde ich den Weg zum Tempel finden?“ Yoda sagte: „Begleiten dich wird ein alter Schüler von mir. Er wartet schon, beeilen dich du musst.“ Oliver sagte: „Danke, möge die Macht mit dir sein.“

Oliver verließ durch die einzige Tür den weißen Raum. Er war überwältigt, denn vor ihm lag ein riesiger Platz mit lauter Landeplätzen. Er ging an den Rand des Platzes. Als er über den Rand sah, fehlten ihm die Worte. Es gab dort einfach keinen Boden mehr, nur Wolken. Die einzigen Worte, die ihm dann doch durch den Kopf gingen, waren: „Wie komme ich hierher, wo bin ich hier?“

Er hörte ein sehr lautes Rauschen, drehte sich um und sah ein kleines Raumschiff landen. Als alle Motoren erloschen waren, stieg ein Mann aus dem Cockpit und ging geradewegs auf ihn zu. „Wer sind Sie?“, fragte Oliver, obwohl er es gar nicht wissen wollte. Der Mann antwortete nicht, weil er sich auf irgendetwas zu  fokussieren schien. In diesem Augenblick spürte Oliver die mentale Kraft, die von diesem Mann ausging. Er war wie benommen. Er spürte ein unangenehmes Gefühl, als würde jemand in sein Bewusstsein eindringen. „Hören Sie auf!“, schrie Oliver. Der Mann jedoch schien ihn nicht zu hören. „Hören Sie auf! Hören Sie auf damit!“, schrie er noch einmal. Er begann fast zu weinen. Jetzt schlug der Mann seine Augen auf und lächelte. Das unangenehme Gefühl in Oliver verschwand. Der Fremde lächelte noch immer und sprach in einem sehr zufrieden klingenden Ton: „Du bist der Richtige. Ich werde dich nach Corozant bringen. Dort wirst du den Tempel der Jedi finden. Er wurde vor vielen Jahren zerstört, seitdem gibt es kaum noch Jedis, aber das wirst du wohl wissen. Wenn du den Tempel betrittst, musst du in die Ratskammer. Dort wirst du ein Laserschwert finden von einem gefallenen Jedi.“ Oliver war so erstaunt, dass er vergaß, seinen Mund zuzumachen. Als der Mann wieder zurück in das Cockpit stieg, sagte er: „Ach übrigens, ich bin Luke.“ Oliver setzte sich auf den Sitz des Copiloten. Als das Raumschiff gestartet war, dauerte es nur einige Minuten bis sie im Weltraum waren. Oliver kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Luke drückte an vielen Knöpfen und Schaltern. Oliver wollte gerade fragen, was er da tue, doch ehe er zu Wort kam, sagte Luke: „Ich bereite den Sprung zur Lichtgeschwindigkeit vor. In zehn Minuten werden wir ankommen.“

Tatsächlich, nach wenigen Minuten waren sie gelandet, und Luke führte Oliver zum Tempel der Jedi. Es war beeindruckend und es war erschütternd. Als sie die Eingangshalle des Tempels betraten, sahen sie eingestürzte Wände und zerbrochene Statuen der Jedi-Helden, doch das schlimmste waren die Leichen, überall Leichen, Leichen von Alten und Leichen von Jungen. Es war entsetzlich. Oliver konnte nur stammeln: „Was…was ist hier nur geschehen?“ Luke antwortete traurig: „Das war der Todesstoß des Imperators gegen die Jedi. Ein junger, aber sehr mächtiger Jedi verfiel der dunklen Seite. Er war es, der die Armee des Imperators in den Tempel führte. Aber jetzt musst du das Laserschwert holen. Sobald du es berührst, wirst du in deine Welt zurückkehren“. Die beiden gingen weiter in einen anderen Raum. Luke blieb stehen, drehte sich um, konzentrierte sich und schrie: „Lauft, Sturmtruppen!“ Seine Worte waren noch nicht ganz verklungen, als ein lauter Knall zu hören war. Wo gerade noch eine Mauer gewesen war, war jetzt ein riesiges Loch. Durch dieses Loch stürmten dutzende Soldaten. Oliver kümmerte sich nicht mehr um Luke, sondern rannte in die Ratskammer, einem kleinen Raum mit ein paar Stühlen darin. Oliver blickte sich um. Die Geräusche des Kampfes kamen immer näher. „Wo ist dieses verdammte Laserschwert?“ Als er diese Worte sprach, schlug ein Schuss neben ihm ein. Oliver warf sich zu Boden. Doch da, genau vor seinen Augen, lag es. Er griff danach. Ihm wurde abermals schwarz vor den Augen. Als er verschwitzt in seinem Bett aufwachte, fragte er sich: „War das jetzt nicht real? Aber was ist schon real?“ Er stand auf, ging zu seinem Schreibtisch, machte die Lade auf, in der sein STAR WARS-Buch liegen musste, doch anstatt des Buches, lag in der Lade das Laserschwert.

„Was…was ist schon real?“, murmelte er.

 

         

ZU DEN ILLUSTRATIONEN

 

Ansprechpartner: Prof. Barbara BRANDSTEIDL, Prof. Thomas KNOB, Prof. Franz LUX, Prof. Brigitte ZERLE
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